27. Februar 2026

Expertenrat beschließt abgestimmte Sofortmaßnahmen: Landesgartenschau Neuss 2026 setzt auf strukturiertes Wildtiermanagement

Bild: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive

Rund 50 Tage vor dem Start der Landesgartenschau Neuss 2026 haben Kanada-, Nil- und Graugänse das neu gestaltete Gelände für sich entdeckt. In ersten Bereichen kam es dadurch zu Fraßschäden und erhöhter Kotbelastung auf jungen Pflanzflächen, frischen Einsaaten und Wegen. Ein Expertenrat, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH, der Stadt Neuss sowie fachlich zuständigen Stellen und Sachverständigen im Wildtiermanagement, hat vor diesem Hintergrund am Freitag ein abgestimmtes Vorgehen beschlossen.
Ziel ist es, der dauerhaften Ansiedlung der Tiere im Veranstaltungsbereich entgegenzuwirken und die neu angelegten Kultur- und Erholungsflächen nachhaltig zu schützen. Das Vorhaben sieht ein zweistufiges Vorgehen aus kurzfristigen, koordinierten Lenkungsmaßnahmen und der parallelen Entwicklung eines langfristigen Wildtiermanagement-Plans vor.
„Die Landesgartenschau steht für Nachhaltigkeit, Biodiversität und verantwortungsvolles Handeln. Dazu gehört auch ein professioneller Umgang mit Wildtieren im urbanen Raum. Wir handeln frühzeitig und abgestimmt, um sensible Flächen zu schützen und gleichzeitig natur- und tierschutzrechtliche Anforderungen einzuhalten“, sagt Annette Nothnagel, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH.


Phase 1: Koordinierte Lenkungs- und Vergrämungsmaßnahmen
In einem ersten Schritt sollen kurzfristig abgestimmte Sofortmaßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist die konsequente Lenkung und Vergrämung der Tiere zurück in ihre bisherigen Bestands- und Aufenthaltsräume außerhalb der sensiblen Veranstaltungsflächen. Die dafür notwendige Aufhebung der Schonzeit für die Wildgänse wird bei den Behörden entsprechend beantragt; mit einer Entscheidung wird zeitnah gerechnet.
Vorgesehene Maßnahmen sind eine koordinierte und gezielte Vergrämung durch geschulte Kräfte, der Einsatz entsprechend ausgebildeter Hunde zur gezielten Flächenlenkung, unterstützende Präventivflüge durch Falkner mit Greifvögeln sowie biotoplenkende Maßnahmen zur Reduzierung besonders attraktiver Aufenthaltsbereiche für die Gänse. Dazu gehören Maßnahmen wie Sichtschutzpflanzungen, das Anlegen von Böschungen und die Reduzierung der Mähfrequenz. „Wildgänse nehmen die neu angelegten Flächen als attraktiven Lebensraum wahr. Gleichzeitig steht die Landesgartenschau für ein hochwertiges Natur- und Besuchererlebnis auf 38 Hektar Fläche”, sagt Wolfgang Gottbrath, Experte für Wildtiermanagement im urbanen Raum. „Unser Vorgehen berücksichtigt die Anforderungen des Natur- und Tierschutzes – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Schonzeit und der beginnenden Brutphase – ebenso wie den Schutz der Besucherinnen und Besucher, Pflanzungen und öffentlichen Investitionen. Deshalb setzen wir auf verhältnismäßige, fachlich abgestimmte und konsequente Lenkungsmaßnahmen“, so Gottbrath weiter.


Phase 2: Entwicklung eines langfristigen Wildtiermanagement-Plans
Parallel zu den Sofortmaßnahmen wird ein ganzheitlicher Wildtiermanagement-Plan erarbeitet. Ziel ist eine nachhaltige Steuerung möglicher Nutzungskonflikte während und über die Laufzeit der Landesgartenschau hinaus.
Der Plan basiert auf drei Säulen: einer fundierten Analyse und fachlichen Bewertung der Flächennutzung, der präventiven Anpassung von Habitatstrukturen bei gleichzeitig kontinuierlichem Monitoring sowie abgestimmten, rechtssicheren Lenkungs- und Vergrämungsstrategien. Er erfasst dabei alle auf dem Gelände vorkommenden Wildtierarten, bei denen es zu Nutzungskonflikten zwischen Mensch und Tier kommen kann – wie etwa Wildkaninchen – und entwickelt differenzierte Lösungen, die sowohl den Belangen der Wildtiere als auch den Anforderungen der Landesgartenschau gerecht werden.
Der Plan trägt zudem der Tatsache Rechnung, dass die Nilgans als invasive gebietsfremde Art in der Unionsliste der EU-Verordnung 1143/2014 geführt wird und für etablierte Bestände ein wirksames sowie verhältnismäßiges Management vorsieht.
Ziel der jetzt beschlossenen Maßnahmen ist es, frühzeitig gegenzusteuern und eine dauerhafte Nutzung sensibler Bereiche durch größere Gänsetrupps zu verhindern. Wildtiermanagement in urbanen Räumen ist ein fortlaufender Prozess. Transparenz, fachliche Abstimmung und rechtssicheres Handeln bilden dabei die Grundlage.


Landesgartenschau findet wie geplant statt
Auch wenn Wildgänse die neu angelegten Flächen im übertragenen Sinne „zum Fressen gern haben“: Die Eröffnung der Landesgartenschau wird am 16. April wie geplant stattfinden. In den 179 Tagen werden rund 650.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Diese können sich auf farbenprächtige Schaugärten, Garteninspirationen und außergewöhnliche Blumenausstellungen sowie ein abwechslungsreiches Programm freuen.

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